Mach das Licht aus, du Monster und lass mich raus.

(Kurzgeschichte über zum METALLICA Song Enter Sandman.)

Benommen wachte er auf und öffnete vorsichtig seine Augen. Sein Kopf schmerzte, er schmeckte Blut auf seinen trockenen Lippen. Er wollte aufstehen. Ging nicht. Irgendjemand hatte ihn an ein Bettgestell gefesselt. Feuchtigkeit tropfte von der kahlen Decke auf seinen Kopf. Er schloss seine Augen. Träume ich? Schaute auf ein vergittertes Fenster, durch das nebliges Licht auf den brüchigen Betonboden drang. Mutlos sackte sein Kinn auf die Brust. Gestern Abend hatte ihm ein Kerl im Logo guten Stoff versprochen und in dieses Loch gelockt. Danach hatte er einen Filmriss. Er erschrak als die Kellertür quietschte, hörte Schritte, irgendwer stand neben ihn und atmete schwer.  Das Monster bückte sich, grinste und wickelte ihn vorsichtig in eine Decke ein.

Monster: „Diese Decke hält dich warm, Kleiner. Solange du darunter liegst, hält sie alle Sünden vor dir fern. Bete schon mal und vergiss ja nicht alle Sünder dieser Welt in deine Gebete einzubeziehen, solange, bis ich wiederkomme“.

Er schrie ängstlich: „Was soll das? Bist du verrückt? Lass mich hier raus, du Monster“.

Das Lachen des Monsters hallte dumpf durch den Kellerraum, seine Schritte entfernten sich, die Tür quietschte und wurde verschlossen.

Ängstlich klammerte er sich an der Decke fest, wollte schlafen, vergessen, ging nicht, mit einem Auge schaute er zum Kellerfenster hinauf, griff nach dem herumliegenden Kopfkissen und blickte in das Licht der Straßenlaterne.

Er brüllte: „Ist da draußen eine helfende Hand für mich“?

Nein, niemand wollte ihm eine helfende Hand reichen.  Ihm blieb nur der Traum von der Flucht aus dem Kellerraum, weg von diesem Monster, in ein Land ohne Wiederkehr.

Irgendwann wachte er auf. Die Decke war weg. Er fror. Seine Hände waren immer noch am Bettgestell gefesselt. Auf dem Betonboden brannte eine Wachskerze. Irgendetwas stimmte hier nicht.

Er schloss seine Augen und bettelte: „Mach das Licht aus, du Monster. Ich will hier raus. Was habe ich dir getan?“

Hilflos fiel er wieder in den Traum zurück: von Monstern, von dem schönen Schneewittchen, vom Krieg und den Lügen dieser Welt.

Er weinte und rief: „Wenn es dich geben sollte lieber Gott, sag mir, dass ich nur schlecht träume.  Wenn das Monster mich töten will, bevor ich aus meinem Traum aufwache, soll es meine Seele in deine Hände geben. Ich werde auch ganz still sein, versprochen. Aber lass mich gehen. Bitte.“

Er hörte ein Geräusch. „Ich mache mir nichts aus dem Geräusch. Das ist nur das Monster unter dem Bettgestell und in meinem Kopf. Ich will raus aus dem Licht und in die Nacht meiner Träume zurück“.

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Angelos.blog

Ich schreibe Kurzgeschichten über Kriminelle, Menschen in extremen Situationen, Rocker und Musikfans. In den Fünfzigern bin ich in einem kleinen Dorf bei Wolfenbüttel geboren, wuchs in Wilhelmshaven auf und studierte dort Betriebswirtschaft. Seit 1978 arbeitete und lebe ich in Hamburg. Hatte 1982 die Hamburger Grünen mitgegründet. Von 1995 bis 2015 war ich Mitinhaber eines großen Hamburger Unternehmens. Bin verheiratet und habe eine erwachsene Tochter. Über den Studiengang „Kreatives Schreiben“ an der Universität Hamburg hat mich das Schreiben gepackt.

Katgeorien Musik1 Kommentar

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